Unser Lexikon zur Klimaneutralität

Lexikon Klimaneutralität

1,5

1,5 Grad Ziel: Bezeichnet das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, gerechnet vom Beginn der Industrialisierung bis zum Jahr 2100. Als vorindustriell wird der Mittelwert der Jahre 1850 bis 1900 verwendet. Fast alle Staaten der Erde haben auf der 21. UN-Klimakonferenz 2015 (COP 21) mit dem Übereinkommen von Paris einen Vertrag unterzeichnet, nach dem sie Anstrengungen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels unternehmen wollen.

C

Carbon Capturing and Storage (CCS): CO2-Abscheidung und -Speicherung ist ein Verfahren zur Reduzierung von CO2-Emissionen durch die technische Abspaltung (z.B. am Kraftwerk) und „dauerhafte“ Einlagerung von CO2 in unterirdischen Lagerstätten (z.B. in ausgebeuteten Gas- oder Öllagerstätten). CCS wird als eine Ergänzung gesehen, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen. Im Vordergrund sollten aber immer die Vermeidung von Treibhausgasen (z.B. durch reduzierten Verbrauch von Produkten oder reduzierte Aktivitäten) sowie das Ersetzen (Substitution) von treibhausgasintensiven durch treibhausgasneutrale oder treibhausgasarme Techniken und Produkte (z.B. erneuerbare Energie) stehen.

Carbon Disclosure Project (CDP): Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine im Jahr 2000 in London gegründete Non-Profit-Organisation. Einmal jährlich erhebt das CDP im Namen von Investoren anhand von standardisierten Fragebögen auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken und Reduktionszielen und -strategien von Unternehmen. Das CDP verwaltet die mittlerweile weltweit größte Datenbank ihrer Art. Insbesondere kapitalmarktorientierte und Großunternehmen berichten regelmäßig an CDP.

Corporate Carbon Footprint (CCF): Der Corporate Carbon Footprint beinhaltet jegliche Emissionen, die innerhalb eines Jahres von einem Unternehmen (durch die Geschäftstätigkeit) erzeugt werden. Diese Emissionsbilanz umfasst deutlich mehr als die Energiebilanz, wie z. B. auch vor- und nachgelagerte Prozesse der Wertschöpfungskette.

Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Bei der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) handelt es sich um eine Regelung, welche Unternehmen zur Offenlegung verschiedener nachhaltigkeitsbezogener Informationen verpflichtet. Diese Informationen müssen im Lagebericht des Geschäftsberichtes veröffentlicht und extern geprüft werden. Die Berichtspflicht trifft alle Unternehmen ab 250 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro oder einem Umsatz von über 40 Millionen Euro. Bei kapitalmarktorientierten Unternehmen sind nur Kleinstunternehmen ausgenommen. Die Berichtspflicht gilt erstmalig für das Geschäftsjahr 2023.

CO₂-​Äquivalente (CO₂e): Beschreiben eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung unterschiedlicher Treibhausgase bzw. deren Klimawirkung. Da die verschiedenen Treibhausgase sich unterschiedlich auf das Klima auswirken, sollen sie auf diese Weise vergleichbar gemacht werden.

D

Dekarbonisierung: Das Ziel der Dekarbonisierung besteht darin, Kohlenstoff nicht mehr als Energieträger zu nutzen, sondern nur noch stofflich z. B. zur Herstellung eines Produktes.

E

Emission: Im Kontext der Klimaneutralität beschreibt der Begriff Emission die Freisetzung von Stoffen in die Atmosphäre, ausgehend von einer Quelle, welche Emittent gennant wird. Man unterscheidet zwischen natürlichen Emissionen und denen, welche durch die Menschheit bedingt sind.

Energiebilanz: Die Energiebilanz enthält den gesamten Energieverbrauch eines Unternehmens, über Produktion bis hin zu den dafür benötigten Ressourcen.

Energieeffizienz: Der Begriff Energieeffizienz beschreibt das Verhältnis eines Ertrages unter Berücksichtigung der zugeführten Energie – je weniger Energie verwendet wird, umso energieeffizienter ist ein Produkt oder eine Dienstleistung.

EU Green Deal: Der Europäische Grüne Deal (European Green Deal) ist das Schlüsselprojekt der EU-Kommission. Es handelt sich um eine umfassende Wachstumsstrategie für eine klimaneutrale und ressourcenschonende Wirtschaft. Übergeordnetes Ziel ist die EU-weite Treibhausgas-Neutralität bis zum Jahr 2050. Europa wäre somit die erste klimaneutrale Industrieregion auf der Welt.  Der Europäische Grüne Deal zeigt, wie eine nachhaltige Transformation gelingen kann. Seine Maßnahmen sind vielseitig. Sie reichen über den Klima-, Umwelt- und Biodiversitätsschutz über die Mobilität und Industriepolitik bis hin zu Vorgaben in der Energie-, Agrar- und Verbraucherschutzpolitik.

EU Taxonomie: Ab dem 1. Januar 2022 müssen berichtspflichtige Unternehmen nach dem CSR-Richtlinie Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) in Deutschland erstmalig in ihrer nicht finanziellen Erklärung zur EU-Taxonomie für Nachhaltigkeitsaktivitäten berichten. Die EU-Taxonomie ist ein zentraler Bestandteil des EU Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen. Ziel des Aktionsplans ist es, die Finanzströme in nachhaltigere Aktivitäten umzulenken, um so die Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit finanzieren zu können. Unternehmen müssen veröffentlichen, welcher Teil ihres Umsatzes, Investitionsausgaben und Betriebskosten Taxonomiekonform ist. Ab dem Geschäftsjahr 2023 werden auch diejenige Unternehmen berichtspflichtig, welche unter die Kriterien der EU CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) fallen werden.

G

Greenhouse Gas Protocol: Das Greenhouse Gas Protocol (kurz: GHGP) entstand aus der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen und Organisationen. Das Ziel ist, bei Führungskräften ein Bewusstsein für die Verantwortung für den Umweltschutz zu wecken. Gleichzeitig sollen Unternehmen natürlich weiterhin Gewinne erzielen – jedoch mithilfe von nachhaltigen Lösungen.

Grünstrom: Grünstrom (auch Ökostrom oder Naturstrom genannt) beschreibt Strom, welcher aus erneruerbaren Energien (wie Wind- oder Wasserwerken) stammt. Wenn Anbieter diesen verkaufen wolen, müssen sie dafür Herkunftsnachweise beziehen.

H

Herkunftsnachweis: Beschreibt ein Dokument, welches Auskunft über Menge und Herkunft von Strom aus erneuerbaren Energiequellen gibt. Er bescheinigt somit, wie und wo der Strom produziert wurde.

I

ISO 14067: Die ISO 14067 ist eine (sich stetig entwickelnde) Norm zur Erstellung von Product Carbon Footprints. Sie ist auf alle Produkte anwendbar und soll dazu beitragen, die Ergebnisse tranparent zu kommunizieren.

K

Klimaneutral: Ein Produkt, Unternehmen o. ä., welches keinen Einfluss auf den Klimawandel hat, da entstandene Treibhausgas-Emissionen entweder vollständig kompensiert (z.B. durch Aufforstungsprojekte) werden oder erst gar nicht mehr anfallen (z.B. durch Umstellung auf grünen Strom). Im Kern ist hiermit eine Treibhausgasneutralität gemeint.

Klimapositiv: Der Begriff Klimapositiv bedeutet, dass mehr Treibhausgas-Emissionen kompensiert werden, als beispielsweise von einem Produkt oder auch innerhalb eines Firmenstandorts verursacht werden. Diese Überkompensation von Emissionen hat einen positiven Effekt auf den Klimawandel.

Klimaschutzprojekt: Projekte, die zur Senkung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre beitragen und somit entstehende Treibhausgasemissionen kompensieren können. Mögliche Projekte müssen klare Kriterien und Anforderungen erfüllen. Beispiele sind Aufforstungs- oder Waldschutzprojekte.

N

Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit beschreibt das Prinzip, der Erde nicht mehr Ressourcen zu entnehmen als jeweils nachwachsen oder sich regenerieren können. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Wenn nur so viele Bäume gefällt werden, wie nachwachsen können, steht ein Wald dauerhaft zur Verfügung. Daraus folgt, dass sich Wirtschaftssysteme an die planetaren und gesellschaftlichen Grenzen halten müssen, um nachhaltig zu sein.

Net-Zero: Ähnlich wie bei der Klimaneutralität geht es bei Net-Zero (Netto Null) darum, dass nicht mehr Treibhausgasemissionen entstehen dürfen als auf der anderen Seite reduziert bzw. kompensiert werden können. Der Unterschied ist, dass Net-Zero im engen Zusammenhang mit dem Pariser Klimaabkommen, dem 1,5 Grad Ziel und Science Based Targets zu sehen ist. Durch ein Net-Zero Ziel müssen Unternehmen in einem klar definierten Rahmen ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 deutlich reduzieren. Nur der verbleibende und nicht weiter reduzierbare Rest an Emissionen, kann dann kompensiert werden.

P

Power-Purchase-Agreement (PPA): Beschreibt einen Stromliefervertrag zwischen zwei Parteien, welcher oft sehr langfristig angelegt ist.  Sie sind ein wichtiges Instrument zur Finanzierung erneuerbarer Energien und versorgen Abnehmer auf der anderen Seite langfristig mit Grünstrom.

 

Product Carbon Footprint: Bilanz der Treibhausgasemissionen, die entlang des Lebenzyklus (alle Schritte, Rohstoffe und Transportwege bis hin zur Nutzung und Entsorgung) eines Produktes entstehen – auch Dienstleistungen werden in dem Zusammenhang als Produkt verstanden.

S

Science Based Targets: Science Based Targets (kurz: SBT) sind wissenschaftlich basierte Reduktionsziele für Unternehmen, welche im Einklang mit dem 1,5 Grad Limit des Paris Klimaabkommens stehen. Der Ansatz wurde gemeinsam von CDP, UN Global Compact, World Resource Institut und dem WWF im Rahmen der sogenannten Science Based Targets Initiative (SBTi) entwickelt.

Scope 1, 2 und 3 Emissionen: Es gibt drei Geltungsbereiche, in denen Unternehmen oder Organisationen Treibhausgase emittieren. Diese Geltungsbereiche werden als “Scopes” bezeichnet, hierbei wird unterschieden in:

Scope 1: Emissionen aus Quellen, die direkt in dem Besitz oder Geltungsbereich des Unternehmens sind (bspw. Betrieb des eigenen Heizkessels, Gasheizung oder Pkw-/Lkw-Fuhrpark).

Scope 2: Emissionen aus der Nutzung von Energie, die das Unternehmen einkauft (z.B. der eigene Stromverbrauch, Fernwärme, Kühlung, etc.).

Scope 3: Emissionen, die aus Aktivitäten resultieren, die nicht direkt im Geltungsbereich des Unternehmens sind (z.B. aus Geschäftsreisen, eingekaufte Güter oder Abfall).

T

Task Force on Climate Related Disclosure: Die Task Force on Climate Related Disclosure (TCFD) ist eine globale von der Industrie geführte Initiative zur Unternehmensberichterstattung bzgl. klimabezogener finanzieller Chancen und Risiken. Die TCFD wurde initiiert, um eine Orientierungshilfe und Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare Berichterstattung über materielle klimabedingte finanzielle Risiken und Chancen zu erarbeiten, die entscheidungsrelevante Informationen für Kreditgeber, Versicherer und Investoren zur Verfügung stellen. Die TCFD Anforderungen werden bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung oft in Verbindung mit Berichtsstandards wie GRI oder SASB berücksichtigt.

Treibhausgase: Als Treibhausgase bezeichnet man Gase, welche einen Einfluss auf die erdliche Energiebilanz haben. Darunter fallen beispielsweise Kohlendioxod, Wasserdampf, Methan und Ozon. Kohlendioxid z. B. ist für mehr als die Hälfte des menschengemachten Treibhauseffektes verantwortlich.

Treibhauseffekt: Der Treibhauseffekt entsteht durch die Treibhausgase in der Atmosphäre, welche die Wärme der Sonne ähnlich wie in einem Gewächshaus auf der Erde festhalten. Dies trägt maßgeblich zu der globalen Erderwärmung bei.

U

UN Global Compact: UN Global Compact bezeichnet einen weltweiten Pakt (deutsch: Globaler Pakt der Vereinten Nationen), der zwischen Unternehmen und der UNO geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. Weltweit haben sich über 15.000 Teilnehmer zu den zehn Prinzipien des Global Compact verpflichtet.  Die zehn Prinzipien gliedern sich in die Bereiche Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruption.

UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung:

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals, SDGs) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Die Ziele richten sich an alle: Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft.

 

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