Die Bundesregierung greift bei der Befüllung der Gasspeicher in Deutschland ein. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das staatseigene Energieunternehmen SEFE angewiesen, zusätzlich acht Terawattstunden (TWh) Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern. Bis zum 15. Dezember soll die zusätzliche Menge in den Speichern untergebracht werden. Hintergrund sind die vergleichsweise niedrigen Füllstände und anhaltende geopolitische Risiken.
Gasspeicher in Deutschland nur zu knapp 58 Prozent gefüllt
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher liegen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Ende September waren die Speicher zu knapp 58 Prozent gefüllt. Im Vorjahr lag der Wert zum gleichen Zeitpunkt noch bei knapp 77 Prozent. Anfang September waren die Speicher zu rund 53 Prozent gefüllt.
Das gesamte Speichervolumen in Deutschland beträgt rund 247 TWh. Die von der Bundesregierung angeordneten zusätzlichen acht TWh sind damit nur ein Teil der Gesamtkapazität, sollen aber einen zusätzlichen Sicherheitspuffer für den Winter schaffen.
Bereits Mitte September hatte das Bundeswirtschaftsministerium SEFE aufgefordert, die Befüllung der Speicher voranzutreiben. Eine formale Anweisung gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Das hat sich nun geändert: Die Vorgabe ist verbindlich.
Bereits zu Beginn des Jahres waren die niedrigen Speicherstände ein wichtiges Thema. Im Januar sank der Füllstand der Gasspeicher zeitweise auf rund 42 Prozent. Eine akute Gasmangellage blieb damals zwar aus, dennoch zeigten sich deutliche Unterschiede zum Vorjahr. Wie sich die Situation im Winter entwickelt hat und welche Rolle Gasimporte und LNG dabei spielten, lesen Sie in unserem Beitrag (Januar 2026).
SEFE muss acht TWh Erdgas zusätzlich einspeichern
SEFE kann selbst entscheiden, wann und in welchen Mengen das zusätzliche Gas eingespeichert wird. Das Unternehmen soll die benötigten Mengen über zusätzliche Lieferungen beschaffen. Damit will die Bundesregierung verhindern, dass die Einspeicherung zulasten anderer Marktteilnehmer geht.
SEFE-Vertriebschef Hamead Ahrary bestätigte die Pläne auf der Handelsblatt-Jahrestagung Gas in Berlin. Das Unternehmen will demnach nicht nur mehr Erdgas einspeichern, sondern auch zusätzliche Speicherkapazitäten beschaffen. Die acht TWh sollen möglichst marktschonend bis Mitte Dezember untergebracht werden.
Gleichzeitig erwartet die Bundesregierung weiterhin von den übrigen Marktteilnehmern, dass auch sie ihrer Verantwortung nachkommen und Gas für den Winter einspeichern.
Warum greift die Bundesregierung jetzt ein?
Als einen wesentlichen Grund nennt das Bundeswirtschaftsministerium die anhaltenden geopolitischen Risiken. Die zusätzlichen Gasreserven sollen zur Krisenvorsorge beitragen und die Widerstandsfähigkeit der deutschen Gasversorgung erhöhen.
Ein weiteres Problem sind die fehlenden wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung. Üblicherweise kaufen Großhändler Gas zu niedrigeren Preisen ein, lagern es ein und verkaufen es später zu höheren Preisen. Die Differenz zwischen den Preisen macht das Geschäft wirtschaftlich attraktiv.
Derzeit fehlen jedoch ausreichende Preissignale. Für Marktteilnehmer lohnt sich die Speicherung deshalb nur eingeschränkt. Die niedrigen Füllstände zeigen, dass sich die Bundesregierung bei der Vorsorge für den Winter nicht allein auf den Markt verlassen will.
Reichen die Gasspeicher in Deutschland für den Winter?
Ob die vorhandenen Gasreserven für den gesamten Winter ausreichen, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind insbesondere die Temperaturen, der Gasverbrauch sowie die verfügbaren Importmengen.
Die Initiative Energien Speichern (INES) warnt vor möglichen Engpässen im Fall eines sehr kalten Winters. Zwar wäre technisch noch ein Füllstand von 77 Prozent erreichbar, die Projektionen deuten laut INES jedoch eher auf rund 63 Prozent hin.
Neben den Gasspeichern spielen auch die Gasimporte eine wichtige Rolle. Deutschland verfügt inzwischen über LNG-Terminals und kann Gas unter anderem aus europäischen Nachbarländern beziehen. Dennoch bleiben die Speicher gerade in verbrauchsstarken Wintermonaten ein wichtiger Bestandteil der Versorgung.
Bundesregierung plant strategische Gasreserve
Langfristig soll eine strategische Gasreserve zusätzliche Sicherheit schaffen. Die Bundesregierung plant, ab 2027 eine Reserve von zunächst 24 TWh aufzubauen. Auch SEFE hat Interesse an dem Vorhaben signalisiert.
Die aktuelle Situation zeigt, warum eine solche Reserve aus Sicht der Bundesregierung relevant ist: Wirtschaftliche Anreize allein sorgen nicht zwangsläufig dafür, dass ausreichend Gas für Krisensituationen gespeichert wird.
Eine strategische Reserve könnte künftig gewährleisten, dass eine bestimmte Gasmenge unabhängig von kurzfristigen Marktbedingungen zur Verfügung steht.
Was bedeuten die niedrigen Speicherstände für Verbraucher und Wirtschaft?
Die Anweisung an SEFE erhöht zunächst die Gasmenge, die für den Winter zur Verfügung stehen soll. Eine Garantie gegen Engpässe oder steigende Preise sind die zusätzlichen acht TWh allerdings nicht.
Neben der verfügbaren Menge spielt auch die Preisentwicklung eine wichtige Rolle. Starke Schwankungen und höhere Gaspreise können insbesondere energieintensive Unternehmen belasten und sich damit auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auswirken.
In den kommenden Wochen dürften deshalb die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland besonders relevant bleiben. Entscheidend ist, wie viel zusätzliches Gas bis Mitte Dezember eingespeichert werden kann und wie sich anschließend Temperaturen, Nachfrage und Importe entwickeln.
Mit der verbindlichen Anweisung an SEFE macht die Bundesregierung deutlich, dass sie angesichts der aktuellen Speicherstände zusätzliche Vorsorge für den Winter treffen will. Die acht TWh sollen dabei einen weiteren Puffer schaffen. Wie groß dieser im Winter tatsächlich sein muss, hängt vor allem vom Wetter und dem Gasverbrauch ab.

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