Warum die Energiepreise in Deutschland 2026 anders reagieren als 2022

Die Preissprünge im Energiehandel durch den Iran-Krieg wecken Erinnerungen an die Energiekrisenjahre 2021 und 2022. Doch die Ausgangslage ist heute eine andere. Experten aus Energiehandel und Verbraucherschutz betonen, dass sich die aktuelle Krise bislang vor allem auf Öl- und Spritpreise auswirkt und die Energiepreise in Deutschland bisher kaum spürbar gestiegen sind. Der asiatisch-pazifische Wirtschaftsraum ist von der Blockade der Straße von Hormus stärker betroffen als Europa.

Bisher mehr Öl- und Spritpreisschock als Gas- und Strompreise

Die Unterbrechung von rund 20 Prozent des globalen Öl- und LNG-Handels schlägt sich bisher kaum in Gas- und Stromrechnungen nieder. „Bisher macht sich der Krieg vor allem durch hohe Benzin-, Diesel- und Heizölpreise bemerkbar“, erklärt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW.

Die Spritpreise in Deutschland stiegen in den ersten zehn März-Tagen um 52 Prozent, während der Gaspreis im OTC-Day-Ahead-Handel knapp über 50 Euro/MWh stabil blieb. Auch Strom zeigt sich bislang resilient: Der Baseload-Kontrakt für das Frontjahr stieg von Mitte Februar bis Mitte März um rund 18 Prozent auf über 90 Euro, Gas um 35 Prozent auf knapp 40 Euro.

Warum die Energiepreise in Deutschland stabil bleiben

Endkundentarife für Fernwärme, Strom und Gas blieben bisher weitgehend unverändert. Grund dafür sind langfristige Beschaffungsstrategien der Stadtwerke. Wichtige Importeure wie Uniper oder RWE beziehen Gas nicht über den blockierten Seeweg und sind daher nur mittelbar betroffen.

Experten betonen, dass die Lage sich deutlich von 2022 unterscheidet: Damals war die Gasverfügbarkeit eingeschränkt, die Preise explodierten und die deutsche Wirtschaft geriet unter Druck. Heute zeigen Reichweitenprognosen von Bundesnetzagentur und DVGW keine Hinweise auf eine Gasmangellage. Dennoch bleiben die Gasspeicher mit 21,5 Prozent Füllstand niedrig, was langfristig Preisanstiege möglich macht.

Ölpreis, Inflation und Verbrauchersorgen

Ob die Handelsmarktlage in eine echte Energiekrise mündet, hängt maßgeblich von der Dauer des Kriegs und der Unterbrechung von Handelsrouten ab. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise werden auf Verbraucher und Unternehmen durchschlagen, doch eine Panik wie 2022 ist derzeit nicht absehbar. Die LNG-Lieferungen aus Katar und der Ausbau der US-Exportkapazitäten tragen zur Stabilisierung bei.

Eine Faustformel der Investmentbank Morgan Stanley besagt, dass ein Anstieg des Ölpreises um 10 US-Dollar die Inflation im Euroraum um 0,4 Prozent treiben könnte. Ein Sprung auf 100 US-Dollar würde die Inflation in Deutschland auf rund 5 Prozent erhöhen, was zwar spürbar, aber weit entfernt von den Spitzenwerten 2022/23 wäre.

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