Bundesnetzagentur erwägt strategische Absicherung durch Gasreserve

Die Diskussion um eine nationale Gasreserve gewinnt in Deutschland erneut an Bedeutung. Vor dem Hintergrund vergleichsweise niedriger Gasspeicherfüllstände, steigender Importabhängigkeit und möglicher externer Schocks hält die Bundesnetzagentur die Einführung einer strategischen Gasreserve für ein denkbares Instrument zur Sicherung der Versorgung. Ziel ist es, auch in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben, ohne den Markt dauerhaft zu verzerren.

Gasreserve statt starrer Füllstandsvorgaben?

Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller verwies darauf, dass die bislang geltenden Füllstandsvorgaben für Gasspeicher zwar in der Gaskrise 2022 ein wichtiges Instrument waren, sich inzwischen jedoch als zunehmend sperrig erwiesen haben. Marktteilnehmer kritisieren seit Längerem, dass die Vorgaben falsche Signale setzen und die Befüllung der Speicher erschweren. Auch ein Gutachten von Frontier Economics im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie spricht sich für eine Abschaffung der Regelungen aus. Eine detaillierte Analyse der aktuellen Speicherstände finden Sie in unserem Blogbeitrag dazu.

Eine strategische Gasreserve könnte aus Sicht der Bundesnetzagentur eine flexiblere Alternative darstellen. Anders als feste Füllstandsziele soll die Gasreserve nicht dauerhaft in den Markt eingreifen, sondern gezielt für außergewöhnliche Notlagen vorgehalten werden.

Aktuelle Speicherstände erhöhen den Handlungsdruck

Aktuell sind die deutschen Gasspeicher mit rund 81,5 TWh gefüllt, was etwa 32,5 Prozent der Kapazität entspricht. Damit wurde zwar das gesetzliche 30-Prozent-Ziel zum 1. Februar eingehalten, dennoch liegen die Speicherstände deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die Branche rechnet bis zum Ende der Heizsaison mit weiter sinkenden Füllständen.

Der Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft warnt, dass die Befüllung für den Winter 2026/27 zur Herausforderung werden könnte. Sollte sich der Trend fortsetzen, müsste im kommenden Sommer deutlich mehr Gas eingespeichert werden als im Vorjahr. Vor diesem Hintergrund wird eine Gasreserve zunehmend als zusätzlicher Sicherheitsmechanismus diskutiert.

Energiewirtschaft befürwortet Gasreserve für Notfälle

Auch der Dachverband der Energiewirtschaft (BDEW) unterstützt die Idee einer nationalen Gasreserve. Aus Sicht des Verbands kann eine solche Reserve dazu beitragen, Deutschland gegen unerwartete externe Schocks abzusichern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Gasreserve ausschließlich für akute Krisenfälle genutzt wird und nicht zur gezielten Dämpfung von Preisspitzen dient.

Die Bundesnetzagentur geht trotz der niedrigen Speicherstände derzeit von einer stabilen Versorgungslage aus, rechnet jedoch mit steigenden Gaspreisen. Zusätzliche Importmöglichkeiten, etwa aus Norwegen, den Niederlanden oder Belgien, stehen zwar zur Verfügung, könnten aber mit höheren Kosten verbunden sein. Eine klar definierte Gasreserve könnte in diesem Umfeld ein ergänzendes Instrument sein, um die physische Versorgung im Ernstfall sicherzustellen, ohne den Markt dauerhaft zu beeinflussen.

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