Was ist ein Power Purchase Agreement (PPA)?

Retter und Förderer für Anlagen der Erneuerbaren Energien (EE) gesucht!

Wer aktiv und aus eigener Motivation ein Teil der Energiewende sein möchte, für den sind vielleicht Power Purchase Agreements (PPA) etwas?

Das Jahr 2021 ist angebrochen, die ersten erneuerbaren Energieanlagen, insbesondere Anlagen die Windkraft nutzen, erhalten keine weitere und gesicherte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der Ablauf der gesetzten Frist von 20 Jahren EEG-Förderung sorgt für erste Ratlosigkeit bei den Betreibern von EE-Anlagen. Jetzt stellen sich für den Betreiber einige Fragen: „Was mache ich jetzt überhaupt mit meiner Anlage, wie kann ich diese ökonomisch sinnvoll weiterbetreiben und wie kann ich die laufenden Kosten erwirtschaften?“ Die Optionen sind begrenzt auf Weiternutzung, Veräußerung, Repowering oder Stilllegung.

Vor dem Hintergrund des Stellenwerts, den die EE im Zuge der Energiewende einnehmen, kann das oberste Ziel nur sein, die bereits errichteten Anlagen zu erhalten bzw. diese einem Repowering zu unterziehen. Das Repowering ist jedoch i.d.R. eher kostenintensiv, bedarf neuer Genehmigungen, die auf Grund geänderter Verordnungen oft nicht mehr erteilt werden und einer trennscharfen Neukalkulierung, was einen nicht unerheblichen Mehraufwand bedeutet.

Eine Lösung wäre, einen Partner auf der Abnehmerseite zu finden, der ähnliche Interessen verfolgt wie der Anlagenbetreiber um so grundsätzlich, ohne höheren Aufwand, die Anlage weiter nutzen zu können. An diesem Punkt können PPA’s ansetzen und eine innovative bzw. lukrative Lösung für beide Seiten darstellen, ganz nach dem Motto: „It´s a match“.

Was ist ein Power Purchase Agreement?

Aber vorab, was ist ein PPA überhaupt? Ganz einfach interpretiert – ein langfristig ausgelegter Stromliefervertrag, der üblicherweise eine Laufzeit von 5 Jahren und mehr aufweist. In Sonderfällen können auch PPA’s mit einer kürzeren Laufzeit abgeschlossen werden, diese bieten jedoch ganz eigene Spezifikationen und Möglichkeiten.

Darüber hinaus sichert sich der Abnehmer mit einem PPA langfristig einen Preis, der beidseitig frei und flexibel ausgehandelt wird, üblicherweise in einer Spanne zwischen finanzieller Absicherung für den Anlagebetrieb und der Grenze von zusätzlich zu erzielenden Erlösen am Energiemarkt. Im Vordergrund stehen dabei für den Abnehmer, etwaige Strompreisrisiken zu umgehen und für den Anbieter eine gesicherte Anschlussfinanzierung für die EE-Anlage zu erhalten.

Jedoch sind PPA’s keineswegs eine Einbahnstraße. So können langfristige Stromlieferverträge ebenso genutzt werden, um Neuprojekte zu fördern und finanziell zu ermöglichen. Dabei werden die Bau- u. Betriebskosten aufgeschlüsselt und in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit Großprojekte realisiert. International ist diese Art der Nutzung von PPA’s  mittlerweile mit zunehmender Tendenz gängige Praxis.

Zudem werden darüber hinausgehende Konditionen, wie der Umfang der zu liefernden Strommenge, die bilanzielle Abwicklung und die Betriebs- / Sicherungsrisiken, vertraglich aufgenommen. Die Vertragsgestaltung ist dabei offengehalten und kann von beiden Seiten individuell erarbeitet werden.

Je nach Vertragsgestaltung und Rahmenbedingungen, werden PPA’s in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt.
  • On-site PPA: direkte physische Abnahme (örtliche Nähe), Lieferung erfolgt nicht über das öffentliche Netz, dadurch Ersparnis der Netzentgelte
  • Off-site PPA: bilanzielle Abnahme (örtliche Trennung); Lieferung erfolgt über das öffentliche Netz, Abwicklung über die betroffenen Bilanzkreise
  • Sleeved PPA: Off-site PPA, bei dem ein Energiedienstleister zwischen Anbieter und Abnehmer die Dienstleistungsprozesse übernimmt

Diese PPA’s werden als physisch klassifiziert, wobei eine festgesetzte Strommenge verkauft bzw. physisch geliefert wird. Die physischen PPA’s  unterscheiden sich hinsichtlich des Lieferweges und der bilanziellen Abwicklung.

Daneben existieren noch die synthetischen PPA’s (SPPA). Dabei wird der physische Stromfluss vom finanziellen getrennt. Es erfolgt keine direkte Lieferung der Strommenge der Erzeugeranlage. Ein zwischengeschalteter Energiedienstleister des Erzeugers übernimmt die Liefermenge in seinen Bilanzkreis und veräußert diese Menge weiter (bspw. Spotmarkt). Ein weiterer Energiedienstleister auf Seiten des Abnehmers beschafft die benötigte Menge, möglichst ebenfalls am Spotmarkt. Die sich ergebenden Differenzbeträge, die sich zwischen beiden Transaktionen am Spotmarkt ergeben und vom ausgehandelten Preis im SPPA abweichen, werden über den Vertragspunkt „Contract for Difference“ geregelt. Dieser regelt die finanziellen Ausgleichszahlungen, die je nachdem auf welcher Seite die Differenz entsteht, sowohl vom Erzeuger als auch vom Abnehmer getragen werden. Dementsprechend wird die Preissicherheit des SPPA gesichert und gewährleistet.

 Vorteile von PPA’s
  • Langfristige Preissicherheit und Minimierung von Preisrisiken
  • Herkunftsnachweise bei physischer Lieferung
  • Vertragsgestaltung weitestgehend flexibel
  • EE-Projekte fördern und Nachhaltigkeitsgedanken stärken
  • Positive Imagegestaltung
 Nachteile von PPA’s
  • Aufwand der Vertragsgestaltung
  • Langfristige Bindung der Vertragsparteien
  • Technisches Ausfallrisiko bei älteren EE-Anlagen
  • Absicherungen müssen definiert werden
  • Energiewirtschaftliches Know-how erforderlich

Wenn Sie als Unternehmen mit dem Gedanken spielen Strom nachhaltig aus EE-Anlagen über PPAs zu beziehen, unterstützen wir Sie gerne bei der Umsetzung. Melden Sie sich gerne bei uns unter Telefon: +49 (0) 201 / 56 57 – 6100 oder E-Mail: info@tengelmann-energie.de

 

Links und Quellen:

www.next-kraftwerke.de

stiftung-umweltenergierecht.de

www.energybrainpool.com

www.pwc.de

www.euwid-energie.de

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